Die Müritz sehen ...

und ‘rüber rudern!

Fünf wunderbar ereignisreiche Tage Rudern auf Mirower Gewässern, vom 16. bis 20. Juni, liegen hinter uns. Uns, das sind die VL (=Fahrtenleitung) Pips, Angela, Claudia, Dieter und ich. Pips hat unsere (Frischlings-)Fahrt sorgfältig vorbereitet, Boot und Unterkunft für uns gebucht. Da sie bekanntlich mit allen Wassern gewaschen ist, hatten wir gar keine Sorgen, dass irgendetwas schiefgehen könnte. Bei einem Vorbereitungstreffen hatten wir uns abgestimmt, wer was zur Verpflegung mitbringt. Claudia und ich haben während der Reise ein Fahrtentagebuch geführt und viele Bilder gemacht, so dass ich euch hier einen detaillierten Bericht präsentieren kann.


Sonntag, 15. Juni 2014

Treffen am Bootshaus um 13 Uhr, um das Gepäck von Angela, Claudia und Dieter in das Auto von Pips zu verladen. Mein Gepäck passt gerade so in das Auto meiner Eltern (der Versuch es in den Smart zu packen wurde gar nicht erst in Erwägung gezogen). Mein Papa schüttelt kurz den Kopf über meine Flaschentasche. Im Auto von Pips hat nicht mal mehr ein Beifahrer Platz!

Mit zwei Autos fahren wir nach Mirow, lagern dort schon Essen und Getränke im Kühlschrank ein und bauen mein Zelt auf.

Das Auto von Pips lassen wir in Mirow stehen. Nach der Rückfahrt haben wir uns erstmal ein schönes Stück Kuchen in Fehrbellin verdient.


Schön mein grünes, schottisches Zelt- oder?



Montag, 16. Juni 2014      Motto  "Schleusenglück"

Um 8 Uhr treffen wir uns am Bootshaus. Angela fährt uns nach Flecken. Unterwegs kaufen wir noch frische Brötchen beim Bäcker. Beim RV Zechlin angekommen, müssen wir feststellen, dass unser bestelltes Boot "Arkona" noch beim Lifting ist. 

Pips flickt schnell ein paar Risse mit Tesa. Wir anderen sind noch etwas skeptisch. Schließlich können wir unser buntes Schiff zu Wasser lassen. Mit roten Backbord- und blauen Steuerbordauslegern werden wir wenigstens nie die Skulls falsch einlegen.

Punkt 9:44 Uhr legen wir ab, Pips übernimmt das Steuer. Nach ein paar Metern halten wir aber bereits an, um an den Dollen zu schrauben und die Skulls zu fetten.

Strecke:  Flecken Zechlin - Mirow  - 31km

Gewässer:

Schwarzer See, Großer Zechliner See, Repenter Kanal, Zootzen See, Tietzow See, Großer Prebelowsee, Hüttenkanal, Schleuse Wolfsbruch, Kleiner Pälitzsee, Canower See, Schleuse Canow, Labussee, Schleuse Diemitz, Großer Peetschsee, Vilzsee, Mössensee, Zotzensee, Mirower Kanal, Mirower See

 



In der Mitte des Zootzensees übernimmt Dieter die Steuerleine. Wir kommen gut voran und müssen an der Schleuse Wolfsbruch nur kurz warten. Wir nutzen die Zeit, um die Plätze neu zu mischen und aufs Neuwasser anzustoßen. Nun ist Claudia am Steuer. Erste Motorbootwellen kommen uns in die Quere. Die Mietschiffe erkennt man sofort an den nicht eingeholten Fendern, was Pips den alten Elvis Song anstimmen lässt "Love me Fender...". In Canow halten wir vor der Schleuse an, Dieter verlässt elfengleich das Boot, um zu sehen wie es vorwärts geht. Auch hier haben wir nur kurz Zeit für ein Foto, dann können wir auch schon schleusen.


Auf dem Labussee wechselt Angela auf den Steuerplatz. Bei grüner Ampel steuert sie uns direkt in die Schleuse Diemitz. Oberhalb wollen wir Rast zum Mittag machen. Leider liegen dort an die 20 Boote und warten auf Schleusung. Pips wäre aber nicht unsere VL, wenn sie nicht prompt eine Alternative wüsste. An der Badestelle Fleeth legen wir gegen 13 Uhr zur Pause an.



Wir haben Boulettenspieße, Chili-Hähnchen, Kuchen und Kaffee dabei. Ein Spielplatz für die Älteren ist auch vor Ort!


Kurz nach zwei starten wir in Richtung Mössensee. Dort wechsle ich inmitten lautstarker Blässhuhnküken auf den Steuerplatz. 

Auf dem Zotzensee kommen die Motorboote aus allen Ecken und verpassen Pips und Angela eine kleine Haarwäsche.

Um genau 15:44 Uhr legen wir beim Ruderverein Blau-Weiß Mirow an. Diese exakte Zeitmessung wird mich wohl ewig verfolgen!

Angela, Claudi und Dieter müssen noch ihre Zelte aufschlagen. Dieter repariert die Wechselkolbenpumpe zum Aufblasen der Luftmatratzen. „Es ist doch gut, den Techniker mitgenommen zu haben”, sagt seine Frau! Danach trinken wir erstmal einen Kaffee und essen meinen Ruder-Butterkuchen dazu.



Zum Abendessen macht Pips dänischen Salat und wir trinken Landbowle mit Erdbeeren aus Claudis Garten. 

Fernseher oder Radio haben wir nicht. Gegen 19 Uhr machen wir uns ernste Sorgen um die Deutsche Mannschaft, denn ganz Mirow ist bislang still, keine Jubelrufe, keine Vuvuzelaklänge. Nach einem Anruf zu Hause, können wir dann beruhigt auf den gelungenen ersten Tag anstoßen.



Dienstag, 17. Juni 2014      Motto "Die Müritz bezwingen"

Am nächsten Morgen hat Frühaufsteherin Angela schon den Frühstückstisch gedeckt und mit Blumen dekoriert. 

Wir beschließen, die Müritzumfahrt zu versuchen. Claudia steuert zuerst... und verpasst den Abzweig zur Schleuse. Doch noch dort angekommen, haben wir wieder keine lange Wartezeit. Ein italienischer Mietbootkapitän ist begeistert von uns; wir verstehen ihn leider nicht. Mit den grün-weiß-rot gestreiften Skulls von Flecken hat er uns wohl für Landsleute gehalten.


Strecke:  Müritzumfahrt  - 42km

Gewässer:

Schleuse Mirow, Müritz-Havel-Kanal, Sumpfsee, Kleine Müritz, Große Müritz, Bolter Kanal, Caarpsee, Woterfitzsee, Leppinsee, Kleiner und Großer Kotzower See, Granzower Möschen, Mirower See 


Auf dem Sumpfsee übernimmt Dieter das Steuer. Zahlreiche Motorboote ziehen an uns vorbei - mit mehr oder weniger Welle. Wir stellen fest, dass wir ein überaus beliebtes Fotomotiv sind - eben unsere Anmut, Grazie, Geschmeidigkeit.... Die ganze Wanderfahrt über erntet Dieter zudem immer wieder neiderfüllte Zurufe, wenn er sich von vier Frauen rudern lässt.

An der Badestelle von Zielow an der Müritz, schauen wir vor der Überfahrt nochmal auf die Karte. Mit einem kleinen Neuwasserschnäpschen von Dieter trinken wir uns Mut an.

Verschnaufpause. Der Trend geht bereits an diesem Tag zum Doppel-Sitzkissen!

Angela steuert uns dann sicher, an wasserskifahrenden Eulen vorbei, über die Große Müritz bis in den Bolter Kanal.


Dort müssen wir das schwere Boot umtragen, ein Wagen steht bereit. Trotzdem mühen wir uns ganz schön ab, wobei ein moppeliger blauer Paddler uns tatenlos zuschaut.

Links: Meine Fütterung mit frischen Saiblingsbrötchen vom Fischer.


Ich steuere danach weiter. Ein schreckliches Stück mit Slalomfahrt vorbei an den Hindernissen im Kanal. Am Ende des Caarpsees sehe ich nur noch Schilf und keine Durchfahrt. Da hilft keine Karte und Dieter muss von Platz eins doch mal "optisch gucken", wo es weiter geht zum Woterfitz! Trotzdem verfangen wir uns im Schilf, da ich die 90° Kurve nicht ganz schaffe. 

Auf dem Leppinsee wechselt Pips auf den Steuersitz und Angela bastelt uns hübsche Seerosenhüte. Über die Kotzower Seen und den Mirower See erreichen wir am späten Nachmittag wieder den Heimathafen.


Wir beschließen nach der Dusche ein leckeres Eis beim Italiener um die Ecke zu essen. 

Danach spazieren wir noch durch Mirow, zum Schloß und zur Liebesinsel.



An der Wasserkante genießen wir die Abendsonne bei einem Radler. Pips muss sich die Kilometer weit trinken, denn die Mirower sind da wohl teilweise etwas großzügig in der Auslegung. Ilona aus Flecken erzählt mir dazu später: „Wenn wir die Mirower besuchen sind es 31 km, wenn die Mirower uns besuchen kommen sind es 36! Heute bleibt es aber ganz demokratisch bei geruderten 42 km! ... und wir sind rot wie unsere T-Shirts.


Der Abendhimmel sieht spektakulär aus und wir freuen uns auf den nächsten Tag.


Mittwoch, 18. Juni 2014     Motto  "Verbotene Pfade"

An diesem Tag wollen wir einen Abstecher in den Süden zum Fehrlingsee machen. Ich nehme zuerst am Steuer Platz. Die Mannschaft ist kaum zu halten und hängt die Motorboote ab.

Strecke - Fahrt zum Fehrlingsee - 32km

Gewässer: 

Mirower Kanal, Zotzensee, Mössensee, Vilzsee, Zelhner See, Schwarzer See, Fehrling See und ein Stückchen Mirower Holm


Auf dem idyllischen Mössensee übernimmt Pips die Steuerleine. Sie filmt gleich mal eine Videosequenz zur Ruderschule.

Auf dem Vilzsee nimmt uns eine Horde Paddler in die Zange. Trotz unserer stets mitgeführten Hupe, kommt es zu einer leichten Kollision.

Der schönste Platz für die Mittagspause.

Wir schmücken uns das Haar mit Bienenfreund.

Dann packt uns die Abenteuerlust und wir versuchen zum Sürlingsee vorzudringen.

Leider bleiben wir doch im Mirower Holm stecken.

... und bis zum Sonnenuntergang geklönt.

Am Strand von Schwarz am Schwarzen See machen wir eine kleine Studentenfutter-Pause. Angela steuert uns dann zu einem versteckten Rastplatz am Fehrlingsee.

Angela hängt das Steuer aus ... und erinnert sich an die Gondoliere bei der Vogalonga!

Auf dem Schwarzen See wechselt Claudia dann auf den Steuerplatz. Über den Vilzsee lässt sie uns segeln.

Vom Mössensee bis nach Hause steuert dann Dieter. Wir ärgern uns mal wieder über gefährliche Wellenbringer im Kanal.

Am Abend wird gegrillt

Kleines Schattentheater an der Wand.

Ich schließe mit den Sprüchen des Tages: 

"Danke heißt: Aufhören!"

„Bist du müde?" „Nur im Gesicht!"



Donnerstag, 19. Juni 2014    

Motto  "Sekt in der Nase"

Heute ist das Wetter nicht so schön und wir nehmen uns eine kleine Tour hoch zum Woterfitzsee vor. Auf der Karte mache ich eine kleine vermutlich geschützte Nase des Sees für die Pause aus. Dieter beginnt heute mit dem Steuern.

Fahrt zum Woterfitzsee - 24 km  Gewässer:

Mirower See, Granzower Möschen, Großer und Kleiner Kotzower See, Leppinsee, Woterfitzsee ... + das Entenparadies


Zuerst zeigt uns die Mirower Ente Pips aber ihren Teich, das Entenparadies. Dort Nisten gerade die Möwen und die Seerosen blühen.

Eine SiPu-Pause am Leppinsee ist fällig. Danach steuert Angela.

Beim Campingplatz am Leppinsee bekommen wir auf dem Rückweg dann eine leckere heiße Bockwurst.

Danach steuere ich Entenhausen (bei Granzow) an. Dort gibt es Kaffee und Kuchen.

Claudia bringt uns dann sicher zurück nach Mirow.

Zum Abendessen gehen wir in die Schlossbrauerei. Dort freue ich mich wie ein Schnitzel über mein DDR-Traditionsessen: Schnitzel "au four", d.h. überbacken mit Würzfleisch und Worcestersauce dazu.

Im Anschluss folgt das Kulturprogramm mit einem tollen Gitarrenkonzert von Malte Vief in der Kirche.

Auf dem Woterfitzsee regnet und windet es.  

In meiner ruhigen See-Nase lässt Claudia den Korken knallen. Prost!



Die Gäste aus meinem Heimatkreis (Recklinghausen) sind heute nicht so einfach über die Müritz gekommen. Wir reduzieren an diesem Abend die mitgebrachten Vorräte vor der Rückfahrt morgen. Diesen Tag können wir unterschreiben mit: „Zwischen den Mahlzeiten wurde gerudert"


Freitag, 20. Juni 2014   Motto  "Vergesslichkeit"

 

Strecke  Mirow - Flecken Zechlin  - 31km

Gewässer: wie Montag nur in umgekehrter Reihenfolge

Am Freitag packen wir nach dem Frühstück alle Zelte und Gepäck zusammen und räumen auf. Für unterwegs packen wir uns Sekt und Leckereien in die Kühltasche. Ich steuere uns bis zum Mössensee, wo wir am Campingplatz kurz anlegen. Wir ärgern uns über einen Motorbootfahrer, der ein riskantes Überholmanöver kurz vor der Kanaleinfahrt und bei Gegenverkehr gewagt hat. Dieter übernimmt das nächste Stück. Auf dem Vilzsee taucht eine große Welle aus dem Nichts auf und wir bekommen Wasser ins Boot.


Angekommen in Flecken (genau 17:44 Uhr!) putzen Claudia, Dieter und ich die Arkona, während Angela und Pips das Gepäck aus Mirow holen.

In der Schleuse wird das Wasser aus dem Boot gewischt.

An dem Motorbootfahrer von vorhin sind wir übrigens in der Schleuseneinfahrt vorbeigefahren. Er wartet sicher immer noch., während wir wieder gut voran kommen.  In Kleinzerlang legen wir zum Picknick an. Ein suchender Blick ins Boot - lange Gesichter - wir haben die Kühltasche vergessen!!

Alternativ speisen wir im Landgasthof.

An der Selbstbedienungsschleuse in Wolfsbruch haben wir Pech. Wir stehen ganz vorne, aber da kommt der Dampfer nach Rheinsberg. Dann schließen sich die Schleusentore nicht richtig, aber drei Techniker sind glücklicherweise sowieso gerade vor Ort.

Im Kanal geht es danach plötzlich nicht mehr weiter. Liegt das an langsamen Schweizern vor uns?

Nein, da wendet doch tatsächlich jemand im Kanal!!


160 Gesamtkilometer schreiben wir schließlich ins Fahrtenbuch!


Eine wundervolle Wanderfahrt geht zu Ende. Knochen und Hinterteile schmerzen etwas, aber wir sind glücklich über das Geschaffte. 


Danke an die allerbeste Fahrtenleiterin, Pips!