Oder-Finowkanal

5 Ruderer mit Zeit zum Trödeln - 17 Schleusen - 207 km

Eine Woche rudern auf Oder und Finowkanal, von Eisenhüttenstadt bis Zehdenick, eine Strecke von über 200 km mit 17 Schleusen. Klingt das verrückt? Nein, das nennt sich Aktivurlaub. Wir buchten all-inclusive bei Reiseleiterin Kerstin, die sich um die gesamte Planung kümmerte! Neben ihr und Ehemann Mathias, waren Ilona, Pips und ich mit von der Partie. 

Der Neuruppiner Beitrag zum guten Gelingen, war ein geräumiges, breites Schiff, unsere Lindow, die Pips und ich letztes Jahr aus Diepholz geholt hatten. Dazu auch passende Skulls mitzubekommen, hat allerdings ungeahnte Mühe gekostet. Falls ihr es noch nicht wusstet, Wanderruderer können eigentlich keine Hackebeile rudern, nicht einmal die dafür gedachten kleinen Touring Big-Blades! Pips mit über 40.000 Ruderkilometern und unzählbaren Arbeitsstunden in der NRC-Werkstatt, wollte das so gar nicht verstehen und hat sie dennoch eingepackt! Ich nehme es vorweg - ein Wunder! Alles wurde heil von uns zurück gebracht und wir konnten sogar rudern! 

Do., 4.8.2016, 21 Uhr, Lindow ist bereit

 Orte:

Fürstenberg/O.

Lebus

Groß Neuendorf

Oderberg

Eberswalde

Liebenwalde

Zehdenick     

Gewässer:

Oder-Spree-Kanal

Oder

Alte Oder

Finowkanal

Langer Trödel

Vosskanal

Havel


(Der Bericht enthält wieder sehr viele Bilder. Ihr müsst einfach das erste anklicken, dann öffnet sich die große Ansicht mit Bildunterschriften.)


Hier eine Karte mit allen Schleusen, Unterkünften und ausgewählten Haltepunkten unserer Reise:


Am Freitag musste ich noch arbeiten, während Ilona und Pips schon den Bootstransport nach Eisenhüttenstadt durchführten. Am Ruderverein Fürstenberg/O. 1910 e.V. warteten genug helfende Hände zum Abladen - vielen Dank! Den Bootshänger deponierten die beiden danach in Zehdenick, unserem Zielort. Und weil Autofahren mit Pips fast so gut ist wie Rudern, bedankte sich Ilona für diesen schönen Nachmittag auf Autobahn und Landstraße bei ihr!!


Sonntag ging die Reise dann richtig los. Ilonas Mann Herbert war so nett uns an den Ausgangsort zu bringen - lieben Dank!! Zunächst fuhren wir aber nach Liebenwalde. Das Auto von Pips durfte dort im Hafen parken, wo wir auch einen sehr freundlichen Hafenmeister kennen lernten. Die Logistik unserer Fahrt war sehr ausgeklügelt, wie ihr sicherlich schon bemerkt habt. Ich brauchte mir außerdem überhaupt keine Sorgen zu machen, wir waren für alle Eventualitäten und Zwischenfälle gerüstet, denn meine Mitreisenden hatten polytechnischen Unterricht und vormilitärische Grundausbildung genossen!!!

Für den Abend in Eisenhüttenstadt hatte uns Kerstin die Schnitzel Wirtschaft empfohlen, wo wir dann auch sehr lecker speisten. Zum Auftakt unserer Urlaubsfahrt bestellte Pips direkt sechs Caipirinhas, von denen drei für mich waren.

In unserer freundlichen Unterkunft für die Nacht, konnte ich in Ostalgie schwelgen, mit Mobiliar, Fotos aus DDR-Zeiten und Urkunden aus der Zeit als Hütte noch Stalinstadt war. Allerdings durchsetzt von Westeinflüssen - Postern von Münchner Freiheit und Brunner & Brunner - über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Gefrühstückt wurde zudem unter den Augen von James Dean ... und es gab Bananen. Der Weckruf unserer VL wäre gar nicht mehr nötig gewesen, nun war aber klar, wer auf dieser Fahrt das Sagen hatte!


Nach dem Frühstück brachte uns der Gastwirt zum Ruderverein, wo wir auf Kerstin und Mathias trafen. Gemeinsam standen wir nun vor der ersten großen Tagesaufgabe: die Gepäckberge im Boot verstauen. Nach ersten Zweifeln, passten doch alle Packsäcke in die Lindow und auch mit uns an Bord, schwamm sie noch oberhalb der Wasserkante. Das Ruderwetter war bestens, man konnte einen Sonnenschirm gebrauchen.

Die erste Etappe führte von Fürstenberg nach Lebus über 47 km. Die große Zwillingsschachtschleuse mussten wir noch überwinden, bevor wir die Oder erreichten, aber der Schleusenwärter ließ es schön langsam angehen.

Auf der Oder konnten wir nun die Ruhe und die schöne Landschaft genießen. Nach zwei Stunden knurrte der Magen und wir legten an einer Buhne zur Mittagspause an. Kerstin hatte Schnitzel bestellt und gesunde Beilagen aus dem Garten dabei. Weitere drei Stunden später brachte ihre liebe Freundin Christiane vom Frankfurter Ruder-Club v. 1882 uns dann frischen Kaffee an das Boothaus. Dazu gab's meinen Mokka Gugelhupf. Würde das etwa wieder so eine „Schlemmen & Rudern“ Fahrt? Unser Quartier für die Nacht bezogen wir im Bikers Inn in Lebus. Dieses Hollywood an der Oder kann man aufgrund der großen Leuchtschrift am Hang über der Stadt gar nicht verfehlen. Lindow hatten wir sicher am Ufer gelagert, im Garten freundlicher Anwohner konnte unserem Material nichts passieren. Ein sehr gutes Abendessen erhielten wir in der Gaststätte Anglerheim und im Garten unser Unterkunft saßen wir danach noch gemütlich beisammen. Dort war der Kühlschrank mit Getränken zu günstigen Preisen für die Gäste gefüllt. Zum Frühstück am nächsten Morgen gab es u.a. Rührei, so dass wir gut gestärkt in die 2.  Etappe starten konnten.


Das Ziel am 2. Rudertag war Groß Neuendorf in 43 km Entfernung. Hier hatte Kerstin uns bei den Landfrauen zur Übernachtung angemeldet. Auf dem Weg dorthin kamen wir schnell voran - ein gutes Team mit etwas Unterstützung durch die Strömung! So blieb ausreichend Zeit für Übungsmanöver: das Anlegen an den Buhnen muss nämlich erstmal gelernt werden. Unsere Pausen machten wir kurz hinter der Eisenbahnbrücke von Küstrin und vor dem Hafen von Kienitz. Außer der Polizei, trafen wir kaum auf anderen Schiffsverkehr, so dass wir wieder die Stille und Natur genießen konnten. In Groß Neuendorf ist der denkmalgeschützte Hafen besonders sehenswert. 


Mittwoch führte die 3. Etappe nach Oderberg über 42 km. An einer Deichscharte in Zollbrücke machten wir eine schöne Eispause. Für einen Theaterbesuch am Rande bei Thomas Rühmann blieb uns leider keine Zeit. Wir verließen den Hauptstrom über die Schleuse Hohensaaten Ost und ruderten weiter auf der alten Oder. Kurz vor unserer Unterkunft, auf dem Oderberger See, konnte Pips dann jubeln ... Der Äquatorpreis ist geschafft!!! 40.077km - und wir sind ein paar davon mit ihr gerudert. Das mussten wir natürlich gebührend feiern! 

 

 

 

 

 

 

Links die historische Momentaufnahme zum Äquatorpreis von Pips, festgehalten am 10. August 2016 um 16:56 Uhr.

Am nächsten Morgen machte Kerstin wunderschöne Fotos vom Frühnebel über dem Fluss, während wir noch schliefen:


Den Donnerstag könnte man beinahe als Ruhetag bezeichnen, denn es wurden nur 15 km bis Eberswalde gerudert. Auf diesem kurzen Stück Finowkanal passierten wir aber schon drei Schleusen. Unser Quartier bezogen wir direkt am Wasser im Marina Park Eberswalde, einer ehemaligen Badeanstalt. Da der Nachmittag frei war, besuchten wir den Familiengarten Eberswalde. Kaum dort, vermissten wir schon das Wasser und stiegen ins Tretboot. Modisch betrachtet: „Nur gut, dass wir beim Rudern keinen Helm tragen müssen!” Zum Abendessen ließen wir es uns dann beim Italiener schmecken.

In unserer nagelneuen Herberge verbrachten wir eine ruhige Nacht, denn wir waren fast die einzigen Gäste. Außer Cindy im rosa Schlafanzug, trafen wir keine Menschenseele auf den Fluren. Am nächsten Morgen wurde zeitig gefrühstückt, denn der Tag der Schleusungen lag vor uns.


Leider wurde Ilona unerwartet krank und musste die Fahrt abbrechen, worüber wir sehr traurig waren. Sie brachte für uns einen Teil des Gepäcks zur nächsten Herberge, so dass wir leichter voran kamen, Danke!

Der Finowkanal hat insgesamt 12 historische Schleusen (Übersichtskarte hier), von denen wir ja drei bereits gestern hinter uns gelassen hatten. Es fehlten folglich noch 9. Doch damit nicht genug: Seit dem 16.6.2016, 16:16 Uhr, ist der "Lange Trödel", der westliche Teil des Kanals wieder eröffnet. Daher passierten wir als Nr. 10 dieses Tages, die neu gebaute Schleuse Zerpenschleuse. Danach hatten wir uns im Ort erstmal ein Eis vom Café Eisschleuse verdient! Trödeln ist auf dem Langen Trödel schließlich ein Muss! Hier könnt ihr die Schleusen nochmal nachlesen.

Um kurz nach 18 Uhr erreichten wir nach 32 Tageskilometern unser Ziel, den Stadthafen von Liebenwalde. Dort hatte Lindow einen sicheren Platz und unser loses Inventar konnten wir beim Hafenmeister einschließen. Das Auto von Pips hatten wir hier abgestellt, um damit zu unserer Herberge nach Zehdenick zu fahren. Nur blöd, dass der Schlüssel mit dem Gepäck schon dort war. Zum Glück blieben wir nicht unbeobachtet und eine nette Anwohnerin aus der angrenzenden Bungalowsiedlung bot uns ihre Fahrdienste an. Für die nächsten zwei Nächte hatte Kerstin uns in der Herberge am Dock eingemietet. Dies war die beste Unterkunft unserer Reise, mit sehr geräumigen Zimmern und leckerem Frühstücksbuffet.

Der Finowkanal, die älteste, noch befahrbare künstliche Wasserstraße Deutschlands, ist seit diesem Jahr wieder auf seiner ursprünglichen Länge von 42 km schiffbar - und wir haben es geschafft!!! 


Am Samstag ließen wir unsere Wanderfahrt mit einer kürzeren Tour von 28 km ausklingen, denn wir mussten ja noch das Boot putzen und auf den Hänger laden. Zunächst fuhren wir mit dem Ruf-Bus nach Liebenwalde. Von dort ruderten wir Richtung Zehdenick und fuhren dann noch einige km auf der Havel bis zum Ziegeleipark Mildenberg. Dort machten wir eine schöne Kaffeepause. Bei der Klienitz Wasserfreizeit endete unsere Reise dann endgültig. Gereinigt mit Fit glänzte Lindow wie noch nie und wurde mit Hilfe einiger anwesender starker Männer wieder problemlos auf den Hänger gehoben. Den letzten gemeinsamen Abend verbrachten wir dann beim Italiener mit Blick auf das Wasser. 

Ein toller Ruderurlaub mit unvergesslichen Eindrücken und viel Spass ging stimmungsvoll zu Ende.

Vielen Dank an unsere VL Kerstin, die alles so supergut organisiert hat!!! Sie verabschiedete uns Sonntag am Bahnhof mit den Worten: „Es war schön mit Euch! Wir haben den gleichen Humor!” Dem kann man nichts mehr hinzufügen.